Marketing im Metaverse – Was passiert schon jetzt? Virtual Market 2022

3D / VR

Metaverse? Gibt’s das schon?

In eine virtuelle Welt eintauchen, online leben, vielleicht sogar Roboter morgens zur Arbeit schicken – ja, das ist alles Filmstoff. Doch sind wir so weit von diesen Dingen entfernt?

Zumindest liest man schon viel über das „Metaverse“, einen konsistenten und persistenten digitalen Raum, der durch die Konvergenz von virtueller, erweiterter und physischer Realität entsteht – so zumindest laut Wikipedia. Nun ja, was das ungefähr bedeutet, verstehen wir ja. Doch bei allem, was man so liest, klingt es manchmal, als wäre das alles noch Jahre entfernt – andere Informationen klingen, als gäbe es das Metaverse schon heute. Das liegt daran, dass oftmals unterschiedliche Definitionen des Begriffs verwendet werden und der Begriff von manchen als Synonym für alles verwendet wird, was mit Augmented, Mixed, oder Virtual Reality zu tun hat.

Das wirkliche Metaverse, wie es sich z. B. die Firma Meta vorstellt, existiert noch nicht. In vielen Diskussionen, die ich mitbekomme, stelle ich häufig zwei Dinge fest:

1. Die Person überschätzt, was man mit Virtual-Reality-Brillen jetzt schon erleben kann.

2. Die Person unterschätzt, was man jetzt schon mit Virtual-Reality- Brillen erfahren und unternehmen kann.

Beide Fälle sind natürlich auf mangelnde praktische Erfahrung zurückzuführen. In Deutschland steckt die Technik für die Endverbraucherschaft noch in den Kinderschuhen. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass die meistverkaufte Virtual-Reality-Brille, die „Meta Quest 2“, zum Launch nicht in Deutschland verkauft werden durfte.  

Ich selbst nutze meine Virtual-Reality-Brille sowohl beruflich als auch privat und möchte anhand des Events „Virtual Market 2022“ denjenigen, die kein VR-Headset besitzen, zeigen, was jetzt schon in der Virtual-Reality-Welt passiert. Welche Erfahrungen ich beim Virtual Market 2022 gemacht habe, erfahrt ihr in diesem Blogeintrag.

 

Was ist der „Virtual Market“

Der Virtual Market ist das größte Virtual-Reality-Festival, bei dem User/-innen virtuelle Gegenstände, Avatare und echte Gegenstände wie Essen, Kleidung und Computer kaufen können.

Der erste Virtual Market wurde 2018 veranstaltet. In diesem Jahr stellten 80 Aussteller aus der VR-Community ihre Kreationen vor – zwei Firmen sponserten das Event. Und das mit Erfolg: Drei Jahre später waren beim Virtual Market 2021 unter dem Motto „Metaverse City“ bereits 601 Gruppen und 80 Unternehmen vertreten.

Das Event fand im VR-Spiel „VR-Chat“ statt und lief 16 Tage lang.

 

Eindrücke vom Virtual Market 2022

Wählt man den Virtual Market in VR-Chat aus, landet man in einer Hub-Welt – einer Art Begrüßungswelt des Events. Hier kann man die Sponsoren sehen und durch ein Portal in eine der vielen Welten eintauchen.

Virtual Market 2022: Summer in VR Chat
Virtual Market Hub-Welt und Sponsoren

Community-Content

Meine Reise begann in der Welt „Granvale Academy of Sorcerers Fantasia/Nocturne“, einem magischen Wald. Hier führt ein Weg zu verschiedenen Hütten, in denen Creators aus der VR-Community ihre Skins (Charakter-Modelle) und andere 3D-Elemente wie z. B. Lichtshows präsentieren. Diese können gegen Echtgeld erworben werden, sind aber natürlich ausschließlich zur Nutzung in VR-Chat gedacht.

Virtual Market Welt "Magischer Wald"
Skins und Avatare im Community Showroom

Wie werben Firmen in Virtual Reality?

Werbung wie gewohnt: In den Welten „Parareal New York“ und „Parkareal Osaka“ sieht die Situation anders aus: Wie am echten Times Square sind überall große Werbetafeln zu sehen. Hier werben Unternehmen wie im echten Leben über Videoleinwände und Litfaßsäulen. So findet man unter anderem Werbung für das neueste VR-Headset von HP und die aktuellsten Serien von Disney+.

Metaverse Werbung auf Plakaten und Litfasssäulen

Diese Werbung ist in diesem Fall kein nerviges Pop-up, das man schließen muss, sondern ist nahtlos in die Welt integriert. Sie zerstört also nicht die Immersion, sondern verstärkt diese sogar. Natürlich funktioniert das aber nur in den nachgebauten Großstädten so gut. In dem vorher erwähnten magischen Wald passen die Werbetafeln natürlich nicht so recht in das Gesamtbild.

Spannend ist für die Unternehmen bestimmt die stark definierte Zielgruppe, die sich auf dem Virtual Market bewegt. Anders als bei gewöhnlicher Plakatwerbung kann man den Kreis der Personen, die sich die Werbung ansehen, viel genauer vorhersagen.

Spannend ist auch, welche unterschiedlichen Werbungen zu sehen sind. So zum Beispiel die allgemeine Disney-Werbung. Dann gibt es die VR-Headset-Werbung von HP, die natürlich nur User/-innen zu sehen bekommen, die sich für VR interessieren, sonst wären sie ja nicht in VR-Chat und ein Unternehmen, das seine Ausbildungsplätze bewirbt. Dort werden junge Leute thematisch und tatsächlich abgeholt, wo sie sich aufhalten und es wird gezeigt, dass man sich auch mit neuen Themen auseinandersetzt – und vor allem die VR-Community wertschätzt. Sicherlich keine schlechte Idee.

 

Werbestände und Erlebnisse

Hier folgen einige Beispiele für unterschiedliche Werbestände und Erlebnisse, die sich die Firmen und Organisationen ausgedacht haben.

Fahrrad „Probefahren“ und kaufen

Spannend sind aber vor allem die verschiedenen Ausstellerstände. Hier gibt es Verschiedenes zu entdecken. So werden beispielsweise Fahrräder mit einem Video beworben, stehen als 3D-Modelle in der Spielwelt und können sogar gefahren werden, um einfacher durch die Spielwelt zu navigieren. Ein Klick genügt und man öffnet die Webseite des Fahrradherstellers, kann direkt kaufen oder sich weiter informieren.

Fahrradaustellung im Metaverse

Erlebnisse simulieren – Virtueller Campingausflug

Werbung versucht uns oft ein Gefühl zu verkaufen oder einen Lebensstil. Das funktioniert mit Text, Fotos und Videos. Besonders gut kann das aber auch Virtual Reality.

In einem Eckladen wird ein Auto präsentiert, erst einmal nichts Besonderes. Im Laden selbst befindet sich jedoch ein Portal. Durch dieses gelangt man auf eine Wiese, auf der das Auto mit geöffnetem Kofferraum steht. Nach und nach nimmt man das Zelt, Klappstühle und einen Grill aus dem Auto und baut sich sein kleines Campinglager auf. Auf einem Tisch liegt außerdem Fleisch und eine Kaffeekanne mit Tassen stehen da. Das Fleisch kann auf dem Feuer gegrillt und der Kaffee gekocht werden. Hier wird also ein Erlebnis simuliert, das man in Realität  später mit dem Auto und der Familie auch erleben könnte. Vielleicht erinnern sich User/-innen, wenn sie das nächste Mal sehnsüchtig daran denken, wie schön es wäre, mit ihrer Familie einen Campingausflug zu machen, an dieses Erlebnis und wie gut das Auto dafür bestimmt geeignet ist.

Essen direkt aus der virtuellen Realität nach Hause

Nach einem langen Tag auf dem Virtual Market kommt natürlich auch irgendwann Hunger auf. Aber auch das ist kein Problem, zumindest für User/-innen aus Japan. In einem Laden kann nämlich direkt Essen bestellt werden. Man sieht die Gerichte als Bild und als 3D-Objekt und kann sie dann online zu sich nach Hause bestellen.

Essen bestellen im Metaverse
Einfach auf "Buy" klicken und Essen und Wein nach Hause bestellen.

Spielerisch zum neuen Kredit

Im Erdgeschoss einer normalen Bankfiliale gibt es im ersten Stock ein Kletterquiz. Es werden Finanzfragen gestellt und man entscheidet sich für richtig oder falsch und klettert dann eine der zwei Routen nach oben. Je nachdem, welche Seite gewählt wurde, wird die richtige Antwort abgegeben oder der/die User/-in wird wieder nach unten zurückgesetzt. So lernt man spielend etwas dazu. Natürlich darf die Frage „Welche Bank war die erste in Japan?“ nicht fehlen. Natürlich die, auf dessen Bankfiliale man gerade klettert. Das schafft Vertrauen. Oben erhält man schließlich eine Krone mitsamt Logo der Bank. Mit dieser kann man dann ein virtuelles Foto schießen.

Finanz-Kletter-Quiz beim Virtual Market

Teleshopping selbstgemacht

Für ein Smart-Cooking-System gibt es eine Küchenzeile und es kann aus zwei Gerichten gewählt werden – und diese dann kochen. Das Smart-Cooking-System gibt Anweisungen, stellt die Temperatur richtig ein und lässt den Timer laufen. Hier kann erlebt werden, wie einfach das Kochen mit einem solchen System funktioniert.

Rezeptvideo auf großem Bildschirm
Temperaturanzeige der Pfanne. Pfannenkuchen wird zubereitet.

Echte Kleidung in VR kaufen

Natürlich können auch Modeartikel in VR gekauft werden. Selbstverständlich virtuelle, aber auch echte Kleidung. User/-innen können T-Shirts virtuell „anprobieren“ und danach direkt im Onlineshop erwerben. Manchmal sind diese Käufe auch gebündelt und man erhält für den Kauf eines echten Outfits zusätzlich einen virtuellen Charakter für das Spiel dazu.

T-Shirts zum anprobieren in Virtual Reality

Mit Tower Defence zur neuen Versicherung

Auch eine Versicherung hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Im Erdgeschoss sind noch einfache Videowände mit Erklärvideos platziert. Im zweiten Geschoss befindet sich ein Tower-Defence-Spiel, bei dem man mit Laserwaffen und Schwertern gegen Gegnerwellen kämpfen muss. Wer das Spiel gewinnt, fliegt zur Belohnung zum Mond und kann in der kleinen Raumstation einen Fragebogen der Versicherung ausfüllen.

Animiertes Versicherungs-Erklärvideo und Towerdefense Spiel
Versicherungs-Erklärvideo und Towerdefense-Spiel
Ausblick vom Mond auf die Erde
Ausblick vom Mond auf die Erde. Formular der Versicherung.

Studienplatz in Virtual Reality sichern

Auch eine Hochschule hat ausgestellt. Zuerst eine Frage beantworten, dann ein Bild für den virtuellen Studentenausweis machen und diesen dann herunterladen. Hier gibt es Infos zum Studium und auch ein paar Studienräume können direkt in 360-Grad-Sphären betrachtet werden.

Alles nur Quatsch oder zukunftsweisend?

Letztendlich fällt bei all diesen Erfahrungen auf: Es handelt sich um kleine Spiele mit schlechter bis mittelmäßiger Grafik. Das soll zum Kaufen anregen? Naja, wie bei allen Werbemitteln stellt sich am Ende die Frage, wie stark sich das Ganze auf die Kaufentscheidung der Zielgruppe auswirkt. Wer hier sagt, diese Virtual-Reality-Sache sei sowieso Quatsch und diese Messestände „hinausgeworfenes Geld“, der ist offensichtlich nicht Teil der Zielgruppe bzw. versteht diese auch nicht.

Es kommt letztendlich auf den Blickwinkel an: Wenn mich beispielsweise Fußball überhaupt nicht interessiert, könnte ich auch sagen, dass das Sponsoring des lokalen Niedrigligisten rausgeschmissenes Geld sei. Andere Personen werden damit aber in jedem Fall abgeholt.

Die Idee, Markenerfahrungen zu erschaffen, ist jedenfalls nicht neu und kann in Virtual Reality nun auf ein neues Level gebracht werden. Es sind Erfahrungen, von denen man Freunden erzählt und die im Gedächtnis bleiben.

Abschließend kann ich in jedem Fall sagen, dass ich die Marketing- und Werbemaßnahmen auf dem Virtual Market als ansprechend und funktional empfunden habe. Ich gebe allerdings zu: Selbst gekauft habe ich bei diesem Event nichts, denn die Erlebnisse waren eher auf das japanische  Publikum ausgerichtet und die Angebote regional begrenzt. Aber das reine Verkaufen war an dieser Stelle wahrscheinlich auch gar nicht das Ziel. Die Erfahrungen sind im Gedächtnis geblieben – deshalb wollte ich sie auch auf diese Weise mit euch teilen. Die Werbenden können sich also freuen, denn mit den Erfahrungen haben sich auch Markennamen verknüpft, an die ich mich deutlich erinnern kann, obwohl ich die meisten Namen nicht einmal richtig aussprechen konnte. Wir dürfen also wirklich gespannt sein, wie es hier in Zukunft weitergeht – wir behalten das Ganze natürlich für euch auf dem Schirm und geben bestimmt dazu irgendwann ein Update!

Autor

Nino Bachmann
Geschäftsführer – N13 MEDIA
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